Veranstaltungsrückblick

Carlowitz-Dialog II

Der zweite Dialogabend der Carlowitz-Gesellschaft fand am Dienstag, den 14. Juni 2016 im Spiegelsaal des Hotel-Schloss Rabenstein statt.  Thematisch konnten wir dabei unmittelbar an den ersten Dialogabend vom 16. März (Solares Bauen mit dem FASA Geschäftsführer Ullrich Hintzen) anknüpfen, denn unter dem Titel „Energiewende und intelligentes Wohnen“ wurden die Beschränkung auf solarthermisches Heizen fallen gelassen und ein erweiterter Ansatz vorgestellt: Mit Sonnenenergie ist es in Zukunft möglich, nahezu 100 % Energieautarkie bei Wärme, Strom und Mobilität zu erreichen.

Als Referenten hatten wir Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld aus Freiberg zu Gast, der zu dieser Problematik forscht und publiziert und seine Erkenntnisse im eigenen Lebensbereich (Energieautark-Haus) auch praktisch umsetzt.  Hochaktuelle Fragen wurden aufgeworfen und diskutiert: Wie wird in Zukunft unsere Energieversorgung aussehen? Wie werden wir energetisch leben und wohnen? Welche Alternativen haben wir zum Öl, Gas und Strom vom regionalen Versorger?

Vortrag Timo Leukefeld

Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld versteht sich als Mittler zwischen Forschung, Entwicklung und dem ausführenden Handwerk. Er hat die Vision einer echten gemeinschaftlichen Neuausrichtung in Energiefragen. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Expertise und seiner praktischen Erfahrungen, gelang es ihm, das Thema auf spannende Art zu vertiefen und von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Foto: Carlowitz-Gesellschaft

Das von den Zuhörern lebhaft hinterfragte Energieautark-Haus lässt sich kurz so charakterisieren: Die Sonnenenergie wird für die Stromversorgung durch eine 58 Quadratmeter große Photovoltaikanlage und für die Wärme durch eine 46 Quadratmeter große Solarthermie-Kollektorfläche auf dem Dach eingefangen. Die Sonnenenergie fließt als erwärmtes Wasser direkt in einen 9100 Liter fassenden Langzeitwärmespeicher. Architektonisch passt sich der zylindrische Koloss von der unteren bis in die obere Etage in das Hausgefüge ein. Zwei Drittel der nötigen Heizenergie werden so gedeckt. Um den erzeugten Strom flexibler einsetzen zu können, hat Leukefeld passend dimensionierte Energiespeicher (Blei-Gel-Akkus) vor den Häusern geplant. So kann an der Zapfsäule vor dem Haus das elektrobetriebene Auto noch getankt werden, wenn die Sonne untergegangen ist. Eine Woche lang kann der Strom im Akku mit 14 Batterien gespeichert werden. Selbst bei Stromausfall funktioniert so das energieautarke System. Die massiven Ziegelwände speichern Wärme und lassen nur geringe Wärmeverluste zu.

Auf diese Weise wird bei der Wärme ein Deckungsgrad von 72 Prozent erreicht, die 100 %-ige Stromversorgung wird momentan noch nicht erreicht, die relativ geringe Strommenge von 180 kWh mussten 2014 noch zugekauft werden (für ein Einfamilienhaus mit 5-köpfiger Familie).

Die Ausweitung des Energie-Autakt-Konzeptes auf Mehrfamilienhäuser, Bestandswohnungseinheiten und auf völlig neuartige Pauschal-Mietverträge wurde von Prof. Leukefeld abschließend vorgestellt und traf auf großes Interesse der Mitglieder und Freunde der Sächsischen Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft an diesem zweiten Dialogabend.

Die gegenüber der ersten Veranstaltung weiter gestiegene Resonanz ermutigt uns, im Herbst beim dann dritten Dialog mit diesem Format fortzufahren.

Siegrun Flemming, Gerhard Albert Jahn, Dr. Gert Kreiselmeier

(Dialog-Gruppe der H.-C.-v.-Carlowitz-Gesellschaft)